Was ist der B196 eigentlich?

Alles wichtige zum B196 zusammengefasst

Autor des Beitrags Pascal Fuchs
Pascal Fuchs

Veröffentlicht am: 16.05.2026

Zuletzt aktualisiert am: 04.06.2026

Was ist der B196 eigentlich?

Alles wichtige zum B196 zusammengefasst

Autor des Beitrags Pascal Fuchs
Pascal Fuchs

Veröffentlicht am: 16.05.2026

Zuletzt aktualisiert am: 04.06.2026

Du träumst vom Fahren auf zwei Rädern, aber der klassische Motorradführerschein erscheint dir zu aufwendig? Dann ist die B196-Erweiterung genau das Richtige für dich! Seit Ende 2019 haben Autofahrer in Deutschland die Möglichkeit, mit einer vereinfachten Ausbildung Leichtkrafträder bis 125 ccm zu fahren. In diesem Ratgeber erfährst du alles Wichtige über Voraussetzungen, Ablauf, Kosten und Besonderheiten der B196-Erweiterung.


Was ist die B196-Erweiterung?

Bei B196 handelt es sich um eine Schlüsselzahl, durch die der Führerschein der Klasse B erweitert werden kann. Mit dieser Erweiterung darfst du dieselben Fahrzeuge fahren wie mit der Führerscheinklasse A1 – allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Du musst keine Prüfung ablegen!

Die Idee hinter der B196-Regelung ist es, erfahrenen Autofahrern einen unkomplizierten Zugang zur Mobilität auf zwei Rädern zu ermöglichen. Gerade in überfüllten Innenstädten bietet ein 125er-Motorrad oder Roller erhebliche Vorteile beim Parken und im Verkehr.


Was darfst du mit B196 fahren?

Mit der B196-Eintragung darfst du Krafträder (auch mit Beiwagen) mit einem Hubraum von höchstens 125 cm³ und einer Motorleistung von bis zu 11 kW (15 PS) fahren, bei denen das Verhältnis der Leistung zum Gewicht nicht über 0,1 kW/kg liegt.

Das bedeutet konkret:

  • Maximaler Hubraum: 125 ccm
  • Maximale Leistung: 11 kW (entspricht 15 PS)
  • Leistungsgewicht: Maximal 0,1 kW pro Kilogramm
  • Beiwagen: Ja, sind erlaubt

Besonderheit: Elektromotorräder

Hier wird es interessant: Während bei Verbrennungsmotoren die Leistung auf 11 kW beschränkt ist, können mit der B196-Erweiterung elektrisch angetriebene Motorräder mit deutlich höherer Spitzenleistung gefahren werden, solange die Nennleistung bei 11 kW liegt. Das bedeutet, dass Elektromotorräder wie die Zero S mit einer Spitzenleistung von bis zu 44 kW (59 PS) legal mit B196 gefahren werden können.


Welche Voraussetzungen musst du erfüllen?

Um die B196-Erweiterung zu erhalten, musst du die Fahrerlaubnis der Klasse B seit mindestens fünf Jahren besitzen und das Mindestalter von 25 Jahren erreicht haben.

Die Anforderungen im Überblick:

  • Mindestalter: 25 Jahre
  • Führerscheinbesitz: Klasse B seit mindestens 5 Jahren
  • Fahrerschulung: Erfolgreiche Teilnahme an einem speziellen Kurs
  • Zeitrahmen: Die Eintragung muss spätestens ein Jahr nach Abschluss der Schulung erfolgen

Wichtig: Auch wenn du früher schon länger einen Führerschein hattest, dann aber wegen eines Entzugs neu erteilt bekommen hast, gelten die ursprünglichen Jahre des Führerscheinbesitzes in der Regel nicht für die 5-Jahres-Voraussetzung.


Die Fahrerschulung: So läuft sie ab

Das Besondere an der B196-Erweiterung: Es gibt keine Prüfung, weder in der Theorie noch in der Praxis. Stattdessen absolvierst du eine strukturierte Schulung in der Fahrschule.

Theorieunterricht

Der Theorieunterricht muss mindestens aus vier Unterrichtseinheiten zu ausschließlich klassenspezifischen Themen bestehen. Jede Unterrichtseinheit dauert 90 Minuten.

Die Theoriestunden behandeln Themen wie:

  • Besonderheiten beim Motorradfahren
  • Fahrdynamik und Fahrphysik
  • Gefahrenlehre speziell für Zweiräder
  • Schutzkleidung und Sicherheitsausrüstung
  • Verkehrsverhalten auf dem Motorrad

Praktischer Unterricht

Nach der Theorie folgen die Fahrstunden. Gesetzlich vorgeschrieben sind mindestens fünf Unterrichtseinheiten zu je 90 Minuten. Wenn du dich nach diesen fünf Einheiten noch nicht sicher genug fühlst, kannst du natürlich weitere Fahrstunden buchen.

In den praktischen Stunden lernst du:

  • Grundlegende Fahrtechniken
  • Anfahren und Anhalten
  • Kurvenfahren
  • Bremsen in verschiedenen Situationen
  • Ausweichmanöver
  • Verhalten im Straßenverkehr

Du kannst für die Fahrstunden entweder ein Motorrad der Fahrschule nutzen oder dein eigenes 125er-Leichtkraftrad mitbringen.

Abschluss der Schulung

Am Ende der Schulung gibt es keine klassische Prüfung. Der Fahrlehrer entscheidet, ob dein Können für die Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr ausreicht. Nach erfolgreicher Teilnahme erhältst du eine Bescheinigung, die du bei der Führerscheinstelle einreichen musst.

Achtung: Fahre niemals nur mit der Bescheinigung! Wenn du nur mit der B196-Bescheinigung Leichtkrafträder fährst, ohne die Eintragung der Schlüsselzahl im Führerschein, handelt es sich um Fahren ohne Fahrerlaubnis und damit um eine Straftat.


Eintragung beim Straßenverkehrsamt

Nach Abschluss der Fahrerschulung musst du zur Führerscheinstelle deines zuständigen Straßenverkehrsamts und dort folgende Unterlagen vorlegen:

  • Bescheinigung der Fahrschule über die erfolgreiche Teilnahme
  • Gültigen Personalausweis oder Reisepass
  • Aktuelles biometrisches Passfoto
  • Deinen bisherigen Führerschein

Die Führerscheinstelle trägt dann die Schlüsselzahl 196 in deinen Führerschein ein.


Was kostet die B196-Erweiterung?

Die Kosten für die B196-Erweiterung setzen sich aus mehreren Faktoren zusammen und variieren je nach Fahrschule und Region.

Kostenübersicht

Fahrschulkosten: Der größte Kostenfaktor ist die Fahrschule. Hier solltest du mit einer Summe zwischen 700 und 900 Euro rechnen. Die Kosten umfassen:

  • 4 Theorieeinheiten (à 90 Minuten)
  • 5 Praxiseinheiten (à 90 Minuten)
  • Gegebenenfalls zusätzliche Fahrstunden

Behördengebühren: Die Gebühr für den Antrag bei der Führerscheinstelle liegt etwa zwischen 23 und 29 Euro.

Sonstige Kosten:

  • Biometrisches Passfoto: ca. 10-15 Euro
  • Sehtest (falls erforderlich): ca. 6-7 Euro

Gesamtkosten: Insgesamt solltest du mit Kosten von etwa 750 bis 950 Euro rechnen.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Im Vergleich zum vollständigen A1-Führerschein, der oft über 1.500 Euro kostet und mehrere Prüfungen erfordert, ist die B196-Erweiterung eine kostengünstige Alternative – vorausgesetzt, du erfüllst die Voraussetzungen.


Wichtige Einschränkungen der B196-Erweiterung

Auch wenn die B196-Erweiterung viele Vorteile bietet, gibt es einige wichtige Einschränkungen, die du kennen solltest.

Keine Gültigkeit im Ausland

Die B196-Erweiterung hat im Ausland keine Gültigkeit, da es sich um eine nationale Ziffer handelt. Das bedeutet:

  • Du darfst nur in Deutschland 125er-Motorräder fahren
  • Im europäischen Ausland benötigst du die vollwertige Klasse A1
  • Auch bei Urlaubsfahrten ins Ausland ist die B196-Berechtigung nicht ausreichend

Diese Einschränkung ist besonders wichtig, wenn du planst, mit deinem 125er auf Touren durch Europa zu gehen.

Kein Aufstieg zur Klasse A2 möglich

Auch wenn du mit der B196-Erweiterung dieselben Fahrzeuge steuern darfst wie mit einem A1-Führerschein, ist es keine Option, mit der Ziffer B196 auf die Klasse A2 zu erweitern.

Das bedeutet konkret:

  • Du kannst nicht von B196 direkt auf A2 aufsteigen
  • Die vereinfachten Aufstiegsmöglichkeiten (z.B. von A1 zu A2) stehen dir nicht zur Verfügung
  • Wenn du später größere Motorräder fahren möchtest, musst du den vollständigen A2- oder A-Führerschein mit Prüfungen machen

Zeitliche Begrenzung der Bescheinigung

Die Eintragung der Schlüsselzahl muss innerhalb eines Jahres nach Abschluss der Fahrerschulung erfolgen. Versäumst du diese Frist, verliert die Bescheinigung ihre Gültigkeit, und du müsstest die Schulung erneut absolvieren.


Für wen lohnt sich die B196-Erweiterung?

Die B196-Erweiterung ist ideal für dich, wenn:

  • Du seit mindestens 5 Jahren Autofahrerfahrung hast
  • Du 25 Jahre oder älter bist
  • Du hauptsächlich in Deutschland fahren möchtest
  • Du keine größeren Motorräder fahren willst
  • Du eine kostengünstige Alternative zum vollständigen Motorradführerschein suchst
  • Du von der zusätzlichen Mobilität im Stadtverkehr profitieren möchtest
  • Du als Pendler flexibler sein willst

Nicht geeignet ist die B196-Erweiterung für:

  • Personen, die regelmäßig im Ausland Motorrad fahren möchten
  • Fahrer, die später auf größere Motorräder umsteigen wollen
  • Wer die vereinfachten Aufstiegsmöglichkeiten der Motorradführerscheinklassen nutzen möchte

Historische Regelung: Der alte Klasse-3-Führerschein

Interessant zu wissen: Wer seinen Führerschein vor dem 1. April 1980 gemacht hat (Klasse 2, 3 oder 4 – auch in der DDR), darf automatisch Leichtkrafträder fahren – und zwar nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland. Diese Fahrer genießen also mehr Rechte als B196-Inhaber und benötigen keine zusätzliche Erweiterung.


Praktische Tipps für den Einstieg

Die richtige Fahrschule finden

  • Suche nach Fahrschulen, die B196-Kurse als Intensivkurse anbieten
  • Vergleiche die Preise verschiedener Fahrschulen in deiner Region
  • Achte auf gute Bewertungen und Erfahrungsberichte
  • Frage nach der Möglichkeit, dein eigenes Motorrad zu nutzen

Vorbereitung auf die Schulung

  • Besorge dir bereits vor Kursbeginn passende Schutzkleidung (Helm, Jacke, Handschuhe, Stiefel)
  • Informiere dich über die Grundlagen des Motorradfahrens
  • Überlege dir, ob du lieber ein Motorrad oder einen Roller fahren möchtest
  • Plane genügend Zeit für die Schulung ein – auch wenn Intensivkurse in wenigen Tagen möglich sind, benötigst du Zeit zum Lernen

Nach der Eintragung

  • Beginne mit kurzen Fahrten in ruhigen Gebieten
  • Steigere langsam deine Fahrstrecken und das Verkehrsaufkommen
  • Investiere in hochwertige Schutzkleidung – deine Sicherheit hat oberste Priorität
  • Erwäge die Teilnahme an einem Fahrsicherheitstraining
  • Informiere deine Versicherung über die neue Fahrberechtigung

Die richtige Maschine wählen

Mit der B196-Berechtigung stehen dir zahlreiche 125er-Modelle zur Verfügung. Die Wahl zwischen Motorrad und Roller hängt von deinem Einsatzzweck ab:

Motorroller

  • Vorteile: Automatikgetriebe, Stauraum unter der Sitzbank, einfache Handhabung, guter Wetterschutz
  • Ideal für: Kurzstrecken, Stadtverkehr, Pendler
  • Beliebte Modelle: Honda PCX 125, Yamaha NMAX, Piaggio Liberty

Motorrad (Naked Bike/Sportlich)

  • Vorteile: Dynamischeres Fahrgefühl, bessere Straßenlage, sportlicheres Design
  • Ideal für: Längere Strecken, kurvige Landstraßen, sportliche Fahrer
  • Beliebte Modelle: KTM Duke 125, Yamaha MT-125, Honda CB125R

Elektromotorräder

  • Vorteile: Deutlich mehr Spitzenleistung möglich (siehe oben), leise, umweltfreundlich, niedrige Betriebskosten
  • Nachteile: Höherer Anschaffungspreis, begrenzte Reichweite, längere Ladezeiten
  • Beliebte Modelle: Zero S, Zero DS, BMW CE 04

Versicherung und Kosten im laufenden Betrieb

Neben den Anschaffungskosten solltest du auch die laufenden Kosten bedenken:

Versicherung

  • Kfz-Haftpflicht: ca. 80-150 Euro pro Jahr
  • Teilkasko (optional): ca. 50-100 Euro zusätzlich
  • Vollkasko (optional): ca. 150-300 Euro zusätzlich

Sonstige Kosten

  • Kfz-Steuer: ca. 20 Euro pro Jahr
  • Inspektion: ca. 100-200 Euro (je nach Hersteller)
  • Reifenverschleiß: ca. 150-300 Euro alle 2-3 Jahre
  • Kraftstoff: ca. 2-3 Liter auf 100 km

Fazit: Lohnt sich die B196-Erweiterung?

Die B196-Erweiterung ist eine attraktive Option für erfahrene Autofahrer, die unkompliziert und kostengünstig in die Welt des Motorradfahrens einsteigen möchten. Besonders für den innerdeutschen Verkehr bietet sie erhebliche Vorteile in puncto Mobilität, Parkplatzsuche und Fahrspaß.

Die wichtigsten Vorteile auf einen Blick:

  • Keine Prüfung erforderlich
  • Deutlich günstiger als der vollständige Motorradführerschein
  • Schneller Einstieg (oft als Intensivkurs in wenigen Tagen möglich)
  • Gleiche Fahrzeuge wie mit Klasse A1
  • Zeitlich unbegrenzt gültig

Wichtige Einschränkungen:

  • Nur in Deutschland gültig
  • Kein Aufstieg zu höheren Motorradklassen möglich
  • Beschränkung auf 125 ccm und 15 PS (Verbrenner)

Wenn du hauptsächlich in Deutschland unterwegs bist und keine größeren Motorräder fahren möchtest, ist die B196-Erweiterung definitiv eine Überlegung wert. Sie eröffnet dir eine neue Dimension der Mobilität und bringt jede Menge Fahrspaß auf zwei Rädern – und das ohne den Aufwand eines kompletten Motorradführerscheins.

Pascal Fuchs

Pascal Fuchs (40) fährt seit zwei Jahren mit der B196-Erweiterung und hat bereits über 20.000 km auf verschiedenen 125ern zurückgelegt. Er kennt die bürokratischen Anforderungen der Ausbildung aus eigener Erfahrung und teilt sein Praxiswissen über die 125ccm-Klasse, Kosten-Nutzen-Aspekte und Alltagstauglichkeit.